Vertiefung

Streunende Ströme sind elektrische Ströme, die ihren „normalen“ Weg verlassen – also den Primärkreis, der durch die üblichen elektrischen Leiter gebildet wird – und sich stattdessen im Erdreich ausbreiten und in andere metallische Strukturen eindringen, die als Sekundärleiter bezeichnet werden.
Wenn solche Ströme nach dem Durchfließen eines Abschnitts der Metallleitung wieder austreten, tritt Korrosion auf.
Es ist wichtig zu betonen, dass streunende Ströme nur dann Schäden verursachen können, wenn es sich um Gleichstrom handelt.
In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass der Strom in gewöhnlichen Haushalten kein Gleichstrom, sondern Wechselstrom ist.
Hinzu kommt, dass Zementmörtel einen hohen elektrischen Widerstand aufweist.
Daher zeigt eine genaue Analyse des Falls von Kupferrohren deutlich, dass es zahlreiche Faktoren gibt, die das Auftreten von Korrosionsphänomenen dieser Art deutlich einschränken.
Korrosionen durch streunende Ströme in Wohngebäuden – einschließlich Unterputzinstallationen – sind daher in der Praxis äußerst selten.
In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll darauf hinzuweisen, dass Fälle von Korrosion, die fälschlicherweise streunenden Strömen zugeschrieben werden, fast ausschließlich Kaltwasserleitungen betreffen – nie jedoch Heizungs- oder Gasleitungen.
Wenn die Ursache tatsächlich bei den streunenden Strömen läge, müsste man annehmen, dass diese „intelligent“ genug wären, um je nach Verwendungszweck das passende Rohr zu beschädigen.
Das ist offensichtlich nicht der Fall – und genau deshalb sind andere Ursachen für mögliche Korrosionserscheinungen verantwortlich zu machen.
Zur Bestätigung der Zweifel an der tatsächlichen Plausibilität von streunenden Strömen sei erwähnt, dass es in der Historie von SCTubes keinerlei dokumentierte Fälle von Korrosion durch solche Ströme an Kupferrohren in haustechnischen Anlagen gibt.
In den 1970er-Jahren gab es einen Fall von äußerer Korrosion an Rohrleitungen in einem Gebäude, der jedoch während der Bauphase auftrat – verursacht durch streunende Ströme einer Schweißmaschine, die nicht ordnungsgemäß mit der zu schweißenden Struktur verbunden war.
Die Ursache der wenigen Korrosionsfälle – insbesondere im Verhältnis zu den jährlich installierten Dutzenden Millionen Metern Kupferrohr – ist an anderer Stelle zu suchen, etwa in einer übermäßigen Menge an kohlenstoffhaltigen Rückständen an der Innenfläche des Rohrs.
Die erste und naheliegendste Präventionsmaßnahme besteht daher darin, hochwertige Rohre mit einem geringen Anteil an Kohlenstoffrückständen zu wählen.
In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass das Kupferrohr SCUDO® mittels eines speziellen Produktionsverfahrens mit innerer Vorpassivierung hergestellt wird, das den Anteil an kohlenstoffhaltigen Rückständen um über 70 % gegenüber den Anforderungen der Norm EN 1057 reduziert.
Zusammenfassend zeigt die Erfahrung, dass Korrosion durch streunende Ströme innerhalb von Gebäuden auf äußerst seltene Einzelfälle beschränkt ist und keinesfalls ein entscheidender Faktor bei der Materialwahl darstellt.
Die vermeintliche Gefährlichkeit dieses Phänomens wird häufig übertrieben dargestellt – in den meisten Fällen allerdings nicht aus Gründen echter Prävention, sondern aus weniger sachlichen Beweggründen.